Es hat nicht sollen sein: Der TV Dagmersellen muss runter in die 2. Liga. Präsident Peter Staub spricht über verpasste Chancen, fehlende Qualität und anstehende Herausforderungen.
Von Patrik Birrer (Willisauer Bote, 8.5.2026)
Für alle, die den Handballern des TV Dagmersellen nahestehen, waren die vergangenen Wochen ein grosses, bitteres Déjà-vu. Erst riesige Enttäuschung nach der ultraknappen Niederlage im Siebenmeterschiessen in der 1. Runde der Abstiegsbarrage gegen Chênois-Genève II, dann aufkeimende Hoffnung nach dem Heimsieg zum Auftakt der 2. Abstiegsrunde und schliesslich der Nackenschlag am vergangenen Sonntag in Thun, der gleichbedeutend mit dem Abstieg war.
Die Parallelität der Ereignisse in diesem und im vergangenen Frühjahr ist erstaunlich. Und sie wird an dieser Stelle enden. Denn bekanntlich profitierten die Dagmerseller im Vorjahr nach dem sportlichen Abstieg von einer fast schon wundersamen Wendung am «grünen Tisch» und durften ihren Platz in der 1. Liga doch noch behalten.
«Kein Zufall»
Davon ist heuer nicht auszugehen. Und aufgrund der Erfahrungen der vergangenen Spielzeit hatten sich die Verantwortlichen beim TVD vor der Saison keinen Illusionen hingegeben. Von Anfang an wurde der Klassenerhalt als oberstes sportliches Ziel definiert; und der Gang in die Barrage stets als realistische Möglichkeit in Betracht gezogen. Genau so sollte es kommen. Dort war der Ligaerhalt zum Greifen nah. Gereicht hat es trotzdem nicht. Wie vor einem Jahr fehlte extrem wenig. «Wir hatten insbesondere im Duell mit Genf unsere Chancen», blickt Peter Staub, Präsident beim TVD-Handball zurück. Und selbst in der zweiten Abstiegsrunde wäre etwas dringelegen; erst recht nach dem hart erkämpften Sieg über Frick. In Thun habe das Team im 28. Spiel der Saison die körperliche und mentale Müdigkeit dann aber nicht mehr kaschieren können. «Zehn schwache Minuten wogen letztlich extrem schwer. Aber es ist wohl kein Zufall, dass wir nun im zweiten Jahr hintereinander den Klassenerhalt auf sportlichem Weg nicht geschafft haben», sagt Peter Staub. «In der Breite waren wir offenbar zu wenig gut besetzt, um in der 1. Liga zu bestehen.»
Ein Neuaufbau steht an
Aus dem aktuellen Kader stehen nächste Saison gleich mehrere wichtige Spieler nicht mehr zur Verfügung. Am schwersten wiegen wird der Abgang des langjährigen Leistungsträgers und Topscorers Urs Oggier. In jüngster Vergangenheit schulterte der 32-Jährige einen Grossteil der offensiven Verantwortung. Nun wechselt er in die 2. Mannschaft und hinterlässt im Fanionteam eine grosse Lücke. Aber auch die Abgänge von Goalie Robin Fiedler, von Rayen Ben Moussa und Yassine Ben Mustapha sowie von Abwehrspezialist Alain Glur dürften ins Gewicht fallen. Auch Co-Trainerin Angela Dolder verlässt den Verein. So stellt sich die Frage, ob unter diesen personellen Voraussetzungen dem Abstieg nicht sogar etwas Positives anhaftet? «Vielleicht ist es auch eine Chance, den Neuaufbau in der 2. Liga zu starten», meint Peter Staub. Doch tief in ihrem Herzen seien sie alle Sportler. Und kein Sportler verliert gerne; von einem Abstieg gar nicht zu sprechen. «Die Enttäuschung ist gross. Das darf und soll sie auch sein. Trotzdem müssen wir den Blick schon sehr bald wieder nach vorne richten.»
Neu ein spielender Co-Trainer
Aufgrund der durch die Abstiegsspiele deutlich verlängerten Saison wird die Pause bis zum Beginn der Vorbereitung auf die neue Spielzeit nur kurz sein. «Wir können nicht bis im Juni nichts tun», weiss Staub. Das Niveau in der 2. Liga dürfe keineswegs unterschätzt werden. Auch deshalb verzichtet der TVD-Handball-Präsident auf lautstarke Kampfansagen an die Konkurrenz. «Der sofortige Wiederaufstieg dürfte eher kein Thema sein», meint Peter Staub. «Jetzt geht es zunächst darum, ein schlagkräftiges Team mit eigenen Spielern aufzubauen.» Mittelfristig wolle und müsse der Verein die Rückkehr in die 1. Liga aber schon wieder ins Auge fassen.
Die Aufbauarbeit in sportlicher Hinsicht wird der bisherige Trainer Thomas Graber künftig zusammen mit Malcolm Reis verrichten. Der 28-jährige Schwede wohnt in Strengelbach und übernimmt beim TVD auf die neue Saison hin das Amt eines spielenden Co-Trainers. Bisher war er beim 1.-Ligisten Solothurn aktiv und amtete dort zudem als U19-Trainer. In Dagmersellen will er nun erste Trainererfahrungen im Aktivbereich sammeln. «Wir sind sehr froh, konnten wir diese Lösung realisieren», sagt Peter Staub. Neben Malcolm Reis seien keine externen Zuzüge geplant. Stattdessen sollen mehrere Spieler aus dem eigenen Nachwuchs ins Kader integriert werden.
Mit zwei Teams in der 2. Liga
Neben dem abgestiegenen Fanionteam wird nächste Saison weiterhin auch die SG Dagmersellen/Zofingen bestehend aus vielen ehemaligen 1.-Liga-Spielern des TVD an der 2.-Liga-Meisterschaft teilnehmen. «Mit zwei Teams auf der gleichen Stufe anzutreten, ist nicht das, was wir uns gewünscht haben», sagt Peter Staub offen. Die Situation bringe einige Herausforderungen mit sich. Nur schon die Frage, ob sie bei Heimspielen der 1. Mannschaft weiterhin Eintritt erheben wollten, beim «Zwöi» auf gleichem Niveau hingegen nicht. «Das und vieles mehr gilt es nun sauber abzuklären.»
Keine allzu grossen Sorgen macht sich der TVD-Handball-Präsident um den Support der treuen Fans. Die Ligazugehörigkeit könne zwar ein Argument sein, um sich regelmässig Spiele einer Mannschaft anzuschauen oder nicht. «Aber unsere Fans werden auch in der 2. Liga in die Halle kommen. Erst recht, wenn der Grossteil des Teams aus Einheimischen besteht», ist Staub sicher. Zudem hofften sie, künftig wieder mehr Siege zu feiern, als in den letzten beiden Jahren. «Und das eigene Team siegen zu sehen, ist letztlich doch für jeden Fan das Schönste.»